Werbeprofis entdecken Marktlücke
   Foto: Broeren
Kurzarbeit war keine Option: Matthias Schmitt (links) und Rüdiger Schröder haben alle Hände voll zu tun.
Die „Roten Robben“, Werbeagentur aus Überherrn, haben umgestellt, sie produzieren Schutzscheiben. Und die sind sehr begehrt.
Von Alexandra Broeren

ÜBERHERRN/SAARBRÜCKEN | Matthias Schmitt schüttelt den Kopf: „Nein, zurücklehnen und Kurzarbeit beantragen war für uns keine Option“, lacht der Vertriebschef der „Roten Robben“, einer kleinen Saarbrücker Werbeagentur für digitales Marketing. Schmitt fährt sich erschöpft durchs Haar. „Das waren harte drei Wochen, fast rund um die Uhr vollgepackt mit Arbeit“, sagt er.

Denn die Werbeprofis haben vor knapp vier Wochen eine Marktlücke aufgetan. Sie produzieren und vertreiben glasklare, leicht aufzustellende Trennscheiben, die Mitarbeiter von Arztpraxen, Apotheken oder Geschäften vor einer Infektion schützen sollen. Und die werden ihnen praktisch aus der Hand gerissen. „Die Mitarbeiter vor Ort haben Angst“, weiß Schmitt. „Dank des ,Spuckschutzes’, wie man die Trennscheiben nennt, fühlen sie sich sicherer.“ Nachdem das „Rote- Robben“-Team die Scheiben in den ersten Tagen der Corona-Krise selbst ausgeliefert hat, kennt er die Nöte derjenigen, die hinter den Theken die Stellung halten. „Teilweise hatte ich den Eindruck, die Menschen hätten uns am liebsten geknuddelt vor Dankbarkeit, als wir mit den Scheiben kamen“, freut er sich immer noch über die Resonanz.

„Wenn wir morgen meinen, dass wir rote Stühle besser verkaufen werden, dann verkaufen wir rote Stühle“, war in den vergangenen Jahren einer der Wahlsprüche von „Rote-Robben“-Chef Benjamin Wegemund. So war zu Beginn der Krise Kreativität gefordert bei den „Roten Robben“. Die zündende Idee, wie es weitergehen könne, stammte dann von Matthias Schmitt. Der 35-Jährige ist praktisch im elterlichen Maschinenbaubetrieb aufgewachsen und hat als erste Ausbildung eine Lehre zum Industriemechaniker absolviert. Danach schloss sich eine kaufmännische Ausbildung an. Vor zwei Jahren hat er unter der Führung von Benjamin Wegemund die „Roten Robben“ mitgegründet. Wie kam er auf die Trennscheiben? „Mein Job ist es, Dinge zu erkennen und wahrzunehmen. Und das Prinzip der Schutzscheiben kenne ich aus dem Maschinenbau.“ Für ihn und Benjamin Wegemund war von Anfang an klar: „Den Vertrieb übernehmen wir, aber für die Produktion brauchen wir einen Partner.“ Den haben sie in Felsberg gefunden, und zwar in Rüdiger Schröder. Schröder fertigt mit seinem Industrieservice seit mehr als zehn Jahren maßgeschneiderte Problemlösungen für die produzierende Industrie – unter anderem auch für die Firma Schmitt und Schäfer, den Betrieb des Vaters von Matthias Schmitt.

„Eine ganz Nacht haben Rüdiger und ich geplant, getüftelt und ausprobiert“, berichtet Schmitt. Denn man wollte Qualität liefern. Und zwar Qualität, die sich durch ein hervorragendes Design nahtlos in eine schicke Ladeneinrichtung einfügt, dabei bruchfest und stabil und darüber hinaus leicht zu reinigen ist. Am Morgen stand der erste Prototyp und am nächsten Tag konnte die Produktion starten.

Benjamin Wegemund hat noch einen Entwurf einer zusammensteckbaren Trennscheibe beigesteuert, sodass zwei verschiedene Modelle produziert werden. In einer weiteren Nachtschicht hat der Programmierer der „Roten Robben“ eine Webseite erstellt. „Montags wurden die Grenzen geschlossen und dienstags haben wir die ersten Scheiben ausgeliefert“, erinnert sich Schmitt. Inzwischen fährt das Team nicht mehr alle Scheiben im privaten Auto aus, denn auch hier sind zwei Partner ins Boot gekommen. Das war auch notwendig, denn Schmitt und Schröder haben zwischenzeitlich den Produktionsablauf so optimiert, dass in Felsberg eine echte Serienproduktion läuft.

Und noch sind die Kreativen nicht am Ende. Denn das nächste Produkt, eine klare Gesichtsschutzmaske aus biegsamem, schlag- und bruchfestem Polycarbonat, wird gerade von Matthias Schmitt auf seine Alltagstauglichkeit getestet.

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