Sie bringen Streithähne an einen Tisch
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Streitschlichter im Ehrenamt (von links nach rechts): Klaus W. Schneider, Manfred Stein, Uwe Köster und Ewald Theobald
„Schlichten statt richten“ lautet das erklärte Ziel der Schiedsleute. Die rund 250 Ehrenamtler in der saarländischen Landesvereinigung haben jetzt einen neuen Vorsitzenden gewählt: Klaus W. Schneider aus Mechern.
Von Vincent Bauer

MECHERN | Wenn sich Nachbarn streiten, versuchen sie zu vermitteln: Getreu dem Motto „Schlichten statt Richten!“ bemühen sich Schiedspersonen bei Konflikten um eine außergerichtliche Lösung. Damit sollen auf der einen Seite Amtsgerichte entlastet werden. Auf der anderen Seite geht es in erster Linie darum, einen Weg zu finden, an dessen Ende es keine Verlierer gibt. Rund 250 Ehrenamtler sind in der saarländischen Landesvereinigung des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS) aktiv. An ihrer Spitze steht seit Anfang Juli Klaus W. Schneider aus Mechern. Er wurde von den Delegierten der jüngsten Landesvertreterversammlung zum Landesvorsitzenden gewählt. Schon seit über zehn Jahren ist Schneider Schiedsmann. Damals sei der Mecherner Ortsrat auf ihn zugekommen, anschließend ließ sich Schneider zum Schiedsmann wählen.

Nach Worten des neuen Landesvorsitzenden bemühen sich Schiedspersonen immer darum, dass sich die Parteien „möglichst schnell von der Paragrafenebene verabschieden“ und auf der zwischenmenschlichen Ebene versuchen, zueinander zu finden. Allen Beteiligten müsse klar sein, dass am Ende eines Schiedsverfahrens kein Richterspruch steht, sondern im Idealfall eine gütliche Einigung zwischen den beiden Streitparteien.

In den meisten Fällen werde das Schiedsamt in Nachbarschaftsstreitigkeiten angerufen. Hecken, die auf Nachbars Grundstück ragen, Lärmbelästigungen und Beleidigungsdelikte seien die üblichen Fälle in der Laufbahn einer Schiedsperson, erzählt Schneider.

Nach Worten von Uwe Köster, der ebenfalls dem Landesvorstand angehört und Vorsitzender der Bezirksvereinigung Merzig-Wadern ist, liegt die Ursache für manchen Streit viel tiefer verborgen als zunächst ersichtlich. „Meistens sind es emotionale Themen, aus denen später handfeste Streitigkeiten entstehen“, erklärt der Reimsbacher. Sobald sich beide Parteien gegenüberstehen, ginge es deshalb darum, genau zuzuhören und im richtigen Moment dazwischen zu gehen. Genau dann machten sich die erlernten mediativen Techniken bezahlt und führten das Gespräch Richtung Einigung.

Im Jahr 2019 wurde in rund 1200 Fällen das saarländische Schiedsamt in Anspruch genommen. Teilweise bei Nachbarschaftsstreitigkeiten, wie übergewachsene Äste, teilweise aber auch bei Delikten wie Körperverletzung, Sachbeschädigung oder Hausfriedensbruch, in denen gesetzlich vorgeschrieben ist, einen Schlichtungsversuch zu unternehmen, bevor Klage erhoben werden kann und es zu einer Gerichtsverhandlung kommt. In rund zwei Drittel dieser Fälle habe es eine schnelle Lösung gegeben.

Unter Schiedsleuten wird dann von „Tür-und-Angel-Fällen“ gesprochen, wenn es bei einem Gespräch mit Einigung, aber ohne Verfahren bleibt . Von den anderen 450 Fällen hätte rund die Hälfte mit einem Vergleich geendet. Das ist der Fall, wenn sich die Parteien im Rahmen der Schlichtung einig werden und dann vor der Schiedsperson einen Vertrag unterzeichnen, der anschließend 30 Jahre lang vollstreckbar ist. Insgesamt belegen diese Zahlen, dass nur ein Bruchteil der anfänglich gemeldeten Streitigkeiten vor Gericht öffentlich verhandelt wird. Mit dem Vorteil, dass die Beteiligten erhebliche Kosten sparen (für einen Vergleich zahlen die Beteiligten rund 30 Euro) und es am Ende wie eingangs erwähnt keinen Verlierer gibt.

 Insgesamt haben Schiedspersonen im Schnitt mit drei Fällen pro Jahr zu tun. „Dabei gibt es aber ein deutliches Stadt-Land-Gefälle“, bemerkt Landesschatzmeister Ewald Theobald. Damit Schiedspersonen optimal ausgebildet werden, gibt es ein immer wiederkehrendes Seminarangebot des Bundesverbands, an dem Schiedspersonen kostenlos teilnehmen können. „Die Kosten für die Seminare tragen die Gemeinden und Städte, aus denen die Schiedspersonen kommen“, erklärt der stellvertretende Landesvorsitzende Manfred Stein.

Für die erste Sitzung des neu gewählten Vorstands hat sich Klaus W. Schneider eine Liste mit zwei Dutzend Punkten bereitgelegt. Ganz oben stehen die Nachwuchsgewinnung und -förderung sowie bessere Einbindung moderner Kommunikationsmittel in die tägliche Arbeit der saarländischen Schiedspersonen. Innerhalb der Bezirksvereinigung Merzig-Wadern stehen die Schiedsleute bereits seit längerer Zeit über eine Whats-App-Gruppe in Kontakt, in der vor allem den jüngeren Kollegen unter die Arme gegriffen wird. „Man wird nie allein gelassen“, sagt Uwe Köster.

Weitere Informationen zum Schiedsamt und eine Suchmöglichkeit zum Finden der zuständigen Schiedsperson finden sich auf der Website der Landesvereinigung.

www.bds-saarland.de