Das Interesse an einer Corona-Impfung ist überraschend gering
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Auch in der Corona-Pandemie ist die Zahl der Impfgegner in Deutschland relativ hoch, haben Umfragen zweier Hochschulen ergeben.    
Von Peter Bylda

TRIER/HEIDELBERG | (np) Die Welt wartet auf einen Impfstoff gegen Corona. Doch wenn der fertig entwickelt ist, wer wird sich dann impfen lassen? Dieser Frage sind Wissenschaftler der Universitäten Trier und Heidelberg nachgegangen. Sie kommen zu einem überraschenden Resultat. Die Bereitschaft zur Impfung ist gering.

Das Argument, dem die meisten Menschen folgen würden, lautet: „Mit einer Impfung kann ich vor allem Menschen aus Risikogruppen schützen, die nicht geimpft werden können“. Das berichtet ein Forscherteam um Professor Marc Oliver Rieger von der Uni Trier nach einer Online-Umfrage mit 303 Teilnehmern. Gut 40 Prozent hätten diese Begründung akzeptiert. Um sich selbst oder weniger anfällige Menschen in der Umgebung vor Covid-19 zu schützen, würden sich aber weniger als 20 Prozent impfen lassen.

Auch an der Universität Heidelberg haben Forscher in einer Umfrage registriert, „wie überraschend gering die Impfbereitschaft doch ist“, erklärt der Politikwissenschaftler Professor Reimut Zohlnhöfer. Nur die Hälfte der in der Heidelberger Online-Umfrage angesprochenen 1351 Teilnehmer wolle sich „wahrscheinlich“ oder „ziemlich wahrscheinlich“ impfen lassen. Ein knappes Drittel sei unentschlossen, ein weiteres Viertel habe erklärt, sich wahrscheinlich nicht impfen zu lassen. Am höchsten sei die Impfbereitschaft bei älteren Menschen und jenen Teilnehmern der Umfrage gewesen, die angegeben hätten, sich für Politik zu interessieren und Vertrauen in die Wissenschaft zu haben.

Die Maskenpflicht, Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen hält laut der Heidelberger Studie allerdings die überwiegende Mehrheit der Deutschen für die richtige Wahl beim Kampf gegen das Virus. Über 80 Prozent der Befragten hätten erklärt, sich immer oder zumindest meistens an die Corona-Regeln zu halten. Auch die Akzeptanz für Einschnitte in die Grundrechte während der Pandemie sei hoch. Nur eine Minderheit von weniger als vier Prozent habe erklärt, die Corona-Regeln selten oder nie beachtet zu haben.

Die repräsentative Befragung, deren Teilnehmer zwischen 18 und 80 Jahre alt waren, fand vom 30. Juni bis zum 7. Juli statt. Kritisch hätten deren Teilnehmer die wirtschaftlichen Folgen des wochenlangen Stillstands im öffentlichen Leben betrachtet. Mehr als die Hälfte sei der Auffassung gewesen, dass der Schaden des sogenannten Lockdowns den Nutzen überwiege.

Durchwachsen sei die Akzeptanz der Corona-Warn-App ausgefallen. Ein Drittel habe sie auf dem Smartphone gehabt, über 45 Prozent hielten es aber für unwahrscheinlich, dass sie das Programm noch installieren. Fast ein Drittel betrage der Anteil jener, der die Warn-App ablehne. „Rechnen wir diejenigen hinzu, bei denen die technischen Voraussetzungen fehlen, könnte der Verbreitung der App eine Grenze bei rund 60 Prozent der Bevölkerung gesetzt sein“, erläutert Reimut Zohlnhöfer.